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Das Schweizer Bundesgericht entscheidet – gegen den Benutzer

Wie das Schweizer Bundesgericht entschieden hat, ist es illegal, parallel-importierte DVDs in der Schweiz vor dem offiziellen Kinostart zu vermieten oder zu verkaufen, da es darin eine Beeinträchtigung des Aufführungsrechtes des Urhebers sieht. Den Verband “ProCinema”, der die Klage gegen Genfer “Vidoeclub” angestrengt hat, wird dies freuen. Zumindest vorerst. Denn dass dieses diese Entscheidung weitrechende Konsequenzen haben wird, scheint der Verband übersehen zu haben.

Über die seltsame Auslegung von Besitzrechten im Zusammenhang mit geistigem Eigentum (Mein Buch; ich kann es lesen, verleihen, verkaufen. Meine DVD; ich darf sie schauen, aber nicht verleihen, nicht verkaufen?) will ich mich gar nicht auslassen. Vielmehr mache ich auf die Kurzsichtigkeit dieses Vorgehens aufmerksam; wieder einmal versucht sich hier ein Industriezweig mit Hilfe von Gesetzen gegen die Entwicklung der Technik zu wehren. Und dass dies schlicht und einfach sinnlos ist, hat die Vergangenheit schon zu oft bewiesen.

Mit dem Aufkommen von DVDs und den dedizierten Nachfolgern HD-DVD und BlueRay-Disk hat der Konsument erstmals Zugriff auf hochauflösendes Bildmaterial. Zusammen mit den immer billiger werdenden Projektionsgeräten ist das Heimkino keine Utopie mehr. Dieses Heimkino will genutzt und gefüttert werden, Vorzugsweise mit dem neusten Filmmaterial. Bis anhin war es möglich, gewisse Filme schon vor dem Kinostart in Buchhandlungen zu beziehen (Beispiel; English-Book-Shop Zürich). Und natürlich gibt es da immer noch das Internet; auch Amazon und andere Online-Händler führen Filme in ihren Listen, die auf den Schweizer Kinostart immer noch warten. Wird der English-Book-Shop Zürich nun die DVDs aus dem Verkauf ziehen, da sich nur jene Sachen gut verkaufen, die gerade im Kino laufen? Wird Amazon seine Schweizer Listen bereinigen?

Wissen will frei sein, denn es liegt in der Natur von Wissen, es will sich verbreiten. Und genau aus diesem Grund funktionieren die künstlich erzeugten Absatzmärkte für audiovisuelles Unterhaltungsmaterial nicht mehr, denn das Internet ermöglicht es, alle künstlichen Schranken mit spielender Leichtigkeit zu durchbrechen. Mein lang-erwarteter Block-Buster ist in den USA gestartet, läuft in der Schweiz aber erst in zwei Monaten an? Herunterladen. Mein DVD-Verleiher hat die neuste DVD nicht im Handel, im Kino habe ich ihn aber schon gesehen? Herunterladen. In dieser Zeit, in der wir auf Tempo und Reaktionszeit konditioniert werden – schneller, grösser, neuer, besser – ist die Geduld des Konsumenten höchts beschränkt. Und mit dieser Einschränkung der Geduld sinkt auch die Bereitschaft, auf die neuste Unterhaltung zu verzichten.

Die Frage ist, wie die Konsumenten auf die Entscheidung des Bundesgerichtes reagieren werden. Werden sie dies achselzuckend hinnehmen? Werden sie auf ausländische Amazon-Listen ausweichen? Oder werden sie die gewünschten Inhalte einfach unlizenziert aus dem Internet herunterladen? Wahrscheinlich alles, je nach Gewohnheit, je nach Vorliebe. Das Nachsehen haben die Video-Verleiher. Und die heimische Kino-Industrie, denn auf kurz oder lang wird die Kundschaft diese Lektion (“Wenn du etwas schauen willst, hole es aus dem Internet”) sicher lernen. Die Kunden ins Internet und zu den Internet-Stores zu drängen ist so etwa das Dümmste, was der Cinema-Verband hätte machen können.

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Das Ende der globalen Medienkonzerne?

Es ist schon erstaunlich, wie verzweifelt die grossen Medienkonzerne (und nicht nur sie) versuchen, der Globalisierung entgegen zu wirken, indem sie künstliche Absatzmärkte schaffen; Die Regional-Codes bei DVDs, HDDVDs und BDs, die künslichen Beschränkungen bei Webstores und ähnlichem; Globalisierung ist anscheinend nur dort erwünscht, wo es zum Vorteil der Industrie gereicht. Sprich; Arbeitskräfte und Materialbeschaffung.
Beim Verkauf soll jedoch wieder der von Gott gegebene und für gut befundene Regionalismus herrschen, schliesslich könnten Kunden ja noch auf den Gedanken kommen, die internationalen Preisgefälle für sich auszunutzen – was für ein erstaunlich lächerlicher Gedanke! Zum Glück kann man daher in vielen Ländern Parallel-Importe verbieten und über die Mechanismen des geistigen Eigentumes internationale Verkäufe beschneiden. Globalisierung soll schliesslich nur denjenigen zugute kommen, welche die Mechanismen des Marktes für sich ausnutzen können. Und notfalls wird mit neuen Gesetzen schlicht und einfach neue Tatsachen geschaffen, die Lobby wird es schon richten.

Dass Disney und Konsorten bisher noch nicht aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben ist mir unbegreiflich. Erst verschlafen die Medienkonzerne die Entwicklung nicht nur einmal, sondern dreimal (MP3, Napster, ITunes Store), dannach verschrecken sie ihre eigenen Kunden mit sadomasochistischen Kopierschutz-Massnahmen, Gerichtsprozessen und verschärften Urheberrechtsgesetzen und zu guter Letzt wenden sie sich gegen jene, die ein valides Modell zum lizenzierten Vertrieb von Multimedia-Inhalten über das Internet entwickeln und damit sogar äusserst erfolgreich sind (Apple mit dem ITunes Store).

Die schier unglaubliche Lern-Unwilligkeit dieser Giganten lässt nur den Schluss zu, dass die Medien-Giganten keine Chance sehen, ausserhalb ihres traditionellen Geschäftsmodelles zu überleben. Genau aus diesem Grund klammern sie sich so an das bestehende System; es ist die einzige Möglichkeit, zu überleben.

Die Grundtendenz von Informationen, sich so weit wie möglich zu Verbreiten (siehe; Meme) macht den Medenkonzernen jedoch einen Strich durch die Rechnung. Das Internet als Informationsquelle durchbricht sämtliche nationalen und regionalen Grenzen. Künstliche Absatzmärkte lassen sich nicht mehr aufrecht erhalten, denn sind die gewünschten Inhalte für einen Endkunden nicht auf legalem Wege erreichbar, so wird er schlicht und einfach auf illegale Wege ausweichen. Dass diese illegalen Wege zumeist auch noch einiges benutzerfreundlicher oder mit weniger Umständen verbunden sind, wirkt diesem Verhalten nur noch entgegen.

Ein Beispiel für eine solche gescheiterte Vertriebspolitk ist die (noch immer vorhandene) zeitliche Diskrepanz zwischen europäischen und us-amerikanischen Veröffentlichungsdaten. Meist eilt der us-amerikanische Kinostart dem eurpäischen Kinostart des selben Filmes mehrere Wochen voraus. Zur Zeit des europäischen Kinostartes sind auf dem us-amerikanischen Markt bereits die DVDs verfügbar. Und mit diesen auch hoch-auflösende Raubkopien. Für viele potentielle Kinobesucher stellt sich nun die Frage; warum ins Kino gehen, wenn sich das neuste multimediale Spektakel gerade so gut und mit weniger Aufwand verbunden auf der heimischen Kino-Leinwand geniessen lässt?

Fazit; für die Medienkonzerne sind die fetten Jahre wohl vorbei. Das bisherige tragende Geschäftsmodell (Verkauf von überteuerten CD-Singels) wird sich nicht weiter tragen lassen. Stattdessen werden sie neue Geschäftsmodelle entwickeln und pflegen müssen. Als Beispiel mag hier Apple diesen. Der Nachteil den die Medienkonzerne jedoch bei Apples ITunes-Store haben, ist die enge Bindung von ITunes-Store an den Apple IPod; nur mit einem IPod lassen sich die DRM geschützen Apple-Audiodateien abspielen. Und wie unbequem die Marktdominaz von Apple den Musik-Giganten werden kann, hat die Vergangenheit bereits gezeigt.

Der einzige sich bietetende Ausweg aus dieser Situation ist die Schöpfung eines offenen Systemes. Angefangen vom Kompressions-Format bis zur Hardware müssen alle Schnittstellen offen sein. Nur so können die Mediengesellschaften eine möglichst grosse Verbreitung ihrer Mediendaten erreichen. Und genau das muss auch ihr Ziel sein, denn es ist die Tendenz des Systemes an sich.